-Eine junge Religionslehrerin bloggt über Schule, Familie und Glauben aus der Hauptstadt der Atheisten-

#2 Mit Baby im Gottesdienst?

Heute ist Sonntag. Es ist Gottesdienst. Und seit einigen Wochen versuche ich mit C. in die Kirche zu gehen. Aber ich habe es noch nicht geschafft. Gottesdienst mit Baby? Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist.

Jeden Sonntagmorgen läuft bisweilen das gleiche Spiel ab: Nach Katzenwäsche und Frühstück, ziehe ich C. an, schnalle ihn mir mit meiner Trage vor meinen Bauch und gehe los. Zuversichtlich folge ich dem Glockengeläut, doch schon an der nächsten Ecke kommen die immer gleichen Zweifel in mir hoch. Was mache ich, wenn C. weint oder quengelt oder einfach laut ist und sich andere gestört fühlen? Gehe ich? Bleibe ich sitzen? Ist die Orgel zu laut? Die Kirche zu kalt? Eine Stunde auf meinem Schoß sitzen zu langweilig? Und schon bin ich in die nächste Straße eingebogen und die Glocken werden immer leiser. Ich gehe meine gewohnte Runde und komme enttäuscht zu Hause an. Schon wieder habe ich es mit C. nicht in den Gottesdienst geschafft.

Tagsüber kann ich C. überall mitnehmen. Und wenn er weint, stört es mich gar nicht, ob nun andere Menschen davon genervt sind oder nicht. Ich denke mir, er ist eben ein Baby und kann seine Bedürfnisse oder sein Befinden noch nicht anders kommunizieren. Aber sobald ich an den Gottesdienst denke, ist es mir plötzlich nicht egal. Mir wäre es sehr unangenehm, sollte sich jemand im Gottesdienst gestört fühlen. Ich persönlich brauche Ruhe und Stille um mich im Gebet Gott zu nähern und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Das ist sicher bei den meisten auch so. Als Mutter, denke ich aber auch an Jesus, der laut Bibel sprach: „Lasset die Kinder zu mir kommen“ (Mt 19,14). Kinder waren Jesus ganz besonders wichtig. Sie gehören zur Gemeinde dazu. Kirche und Gottesdienst sollten für Kinder und Babys (und ihren Eltern) so gestaltet sein, dass sie daran teilhaben können. Mir ist es wichtig, dass C. mit in den Gottesdienst kommt und dadurch Gemeindeleben und Kirche kennenlernt. Ich möchte ihm meinen Glauben näher bringen und ihm einen der Orte vorstellen, an denen ich Gott begegne. Leider sind viele Gottesdienste und auch Kirchengebäude nicht geeignet für Kleinkinder und Babys. Zwar gibt es in vielen Gemeinde spezielle Kinder- und Familiengottesdienste, aber leider richten sich diese nicht an die ganz Kleinen. Zumindest ist es in meiner Gemeinde so.

Ich sollte es nächste Woche einfach nochmal ausprobieren. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Und wenn ich es nicht schaffen sollte: Gott segne den Radiogottesdienst!

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