-Eine junge Religionslehrerin bloggt über Schule, Familie und Glauben aus der Hauptstadt der Atheisten-

#10 Ist ein christliches und zugleich modernes Familienleben möglich?

Ich bin nicht religiös erzogen worden. Meine Eltern sind zwar beide evangelisch, aber das mehr auf dem Papier, als im Alltag. Zwar gehörte für meine Eltern Taufe und Konfirmation meinerseits irgendwie zur Erziehung dazu, Heilig Abend haben sie auch die Kirche besucht, aber Gott und Glaube spielte in unserer Familie sonst kaum eine Rolle. Ich habe das schon immer sehr vermisst und mich nach einem gelebten Glauben und Gemeinschaft gesehnt. Das habe ich in meiner Kindheit und Jugend unter anderem bei der Familie meiner besten Freundin kennengelernt. Dort wurde ein Tischgebet gesprochen, zusammen wurden christliche Lieder gesungen und der Gottesdienst besucht. Das hat mich geprägt.

Ich merke jetzt allerdings, wo ich meine eigenen Familie habe, dass es mir unglaublich schwer fällt, meinen Glauben, meine Religion mit unserem Familienalltag zu verbinden. Ich möchte gerne religiösen Ritualen mehr Raum in unserem Leben geben. Aber ich fühle mich oft gehemmt und manchmal weiß ich auch einfach nicht wie. So würde ich gerne vor dem Essen beten, aber wenn Freunde oder Familie zu Besuch sind, traue ich mich nicht. Oft ist am Sonntag oder an Feiertagen Besuch bei uns oder jemand hat zu sich eingeladen. Doch leider kollidiert dies häufig mit meinen Gottesdienstbesuchen oder religiösen Festen. Etwas dagegen einwenden, traue ich mich nicht. Ich habe Angst nicht ernstgenommen zu werden. Obwohl ich das eigentlich nicht haben müsste, denn ich habe tolle Freunde. Aber über meinen Glauben, spreche ich wenig. Also gehe ich am Ende nicht in den Gottesdienst.

Ich frage mich: Wie kann ich ein modernes, christliches Familienleben führen? Wie kann ich meinem Glauben in unserer Familie und unserem Alltag festigen? Und wie kann ich in meiner religiösen Praxis von meinem Umfeld ernstgenommen oder unterstützt werden? Und während ich diese Frage schreibe, bemerke ich auch schon, dass ein Teil der Antwort bei mir liegt. Wie sollen auch andere etwas ändern, wenn sie davon nichts wissen?! Kommunizieren, ist wohl mein Stichwort. Das werde ich nun auch. Passt ja irgendwie auch zur aktuellen Fastenaktion „7 Wochen ohne lügen“.
Und wie kann ich meine und unsere religiöse Praxis in unserem Alltag festigen? Ich kann theoretisch dazu viel nachlesen, aber die Umsetzung fällt mir sehr schwer. An wen kann ich mich wenden? Von wem kann ich das lernen?

Puh, das sind ganz schön viele Fragen. Und ihr merkt sicher schon an diesem Artikel, das ich da selbst meine Gedanken noch nicht ganz sortiert habe. Aber mich interessiert sehr, ob jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht hat und wie ihr damit umgeht. Ich bin sehr gespannt. Schreibt mir!