-Eine junge Religionslehrerin bloggt über Schule, Familie und Glauben aus der Hauptstadt der Atheisten-

#13 Papierarm unterrichten?

So viel Papier habe ich heute ausgemistet – Alte Kopiervorlagen, Ausmalbilder, Rätsel, Texte und Arbeitsblätter – Eine ganze Kiste voll! – All diese Blätter habe ich das ganze letzte Schuljahr nicht verwendet und ich werde sie wahrscheinlich auch in Zukunft nicht gebrauchen. Also weg damit. Einen Teil hebe ich auf, daraus mache ich mir Notizzettel. Aber ganz ehrlich, ich bin wirklich etwas schokiert.

Wie konnte sich schon wieder so viel Papierkram ansammeln?
Eigentlich versuche ich möglichst wenig Kopien und Blätter im Unterricht einzusetzen. Aber anscheinend hat das nicht so gut geklappt. Zwar arbeite ich mit Religionsbüchern und Schulbibeln, aber manchmal finde ich gutes Material an anderer Stelle und kopiere es. Oder ich muss plötzlich eine Vertretungsstunde in einer fremden Klasse halten und ich kopiere schnell zwei Seiten. Damit gehen dann mal eben 60 Seiten Papier drauf. Im schlimmsten Fall hat sich die Stunde so entwickelt, dass ich nicht dazu gekommen bin, die Blätter auszuteilen. Und dann landen die ganzen übrigen Blätter in meinem Ordnern. Arghhh…. Schlimm ist das!

Mein Wunsch ist es, so wenig Papier wie möglich einzusetzen. Laut WWF wird jeder zweite industriell gefällte Baum für die Papierindustrie verwendet und der Pro-Kopf -Verbrauch in Deutschland liegt bei 253kg (2006) jährlich*. Das ist unfassbar viel! Ich möchte vor allem auch im beruflichen Leben den Papierverbrauch senken, denn da ist er, zumindest bei mir, am höhsten. Das ist aber offensichtlich leichter gesagt, als getan.

Wie kann ich das angehen?
Ich denke Arbeitsbücher und Bibeln sind schon einmal eine gute Basis. Kennt ihr die Arbeitsweise von Elisabeth Buck? Sie setzt in ihrem Unterricht Arbeitshefte (Schreibhefte) ein, die von den Schüler*innen selbst angefertigt werden. Im jeder Stunde wird eine Seite zum Thema gestaltet, mit Texten, Merksätzen und Bildern. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings erfordert das auch eine ganz neue Herangehensweise und Umsetzung des Unterrichts. Viel Aufwand und auch Vorbereitung. Ein weiterer kleiner Schritt wäre es Kopien dauerhaft anzufertigen und sie mehrere Male zu verwenden. Wichtige Passagen müssen sich die Schüler*innen dann eigenständig notieren. Vielleicht wäre es auch sinnvoll ein weiteres Religionsbuch anzuschaffen. Eines, das mein aktuelles Religionsbuch in der Schule ergänzt. Fallen euch noch Punkte ein, die zu einem papierarmen Unterricht führen? Tablets? Smartboard?

Übrigens: wenn der Kopierer in der Schule nicht funktioniert (was phasenweise schon mal Tage dauern kann) findet der Unterricht natürlich trotzdem statt. Und jede Lehrkraft findet Wege, wie sie ihr Thema ohne Kopien umsetzen kann. Das funktioniert immer. Muss es ja. Es ist meistens nur die erste Schreckenssekunde, in der man morgens feststellt „Ähh, wie kein Kopierer?“ – und wenn die verdaut ist und man begriffen hat, dass der ursprüngliche Plan verändert werden muss, hat sich meist schon eine andere Idee gefunden. Und dann ist es gar nicht so schlimm. – Ich finde, das zeigt sehr gut, dass es ohne Kopien geht, oder? Also los!

*https://mobil.wwf.de/themen-projekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten/